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Hier eine Textprobe aus sein
aber nicht sein Bekenntnisse eines unterbeschäftigten
Helden:
Man fragt sich ja manchmal oft: «warum bin ich da, wo ich
bin?» Wenn ich bedenke: Mein Traumberuf von Klein auf war
Diktator. Mein Vater wollte nicht.
«Lerne erst mal Klavier, dann sehen wir weiter.»
«Aber Papa, ein Diktator kann doch auch Klavier spielen.»
«Ein Diktator lässt Klavier spielen!»
Ein Grund mehr Diktator zu werden, denke ich. Nie mehr üben!
Üben lassen! Ich stelle mir vor: Klassentreffen! Grosses Wiedersehen
nach zwanzig Jahren bei Weißwein und Canapés.
«Hallo, Moritz, du hast dich überhaupt nicht verändert.»
«Ehrlich?»
«Kein bisschen.»
Moritz erbleicht und springt aus dem Fenster.
«Und du Peter, was machst du so?»
«Ach, mal dies, mal das.»
«Aha, arbeitslos.»
Peter erbleicht und springt aus dem Fenster. Bald ist das Zimmer
fast leer und bin ich nur noch mit den Menschen zusammen, die mir
wirklich etwas bedeuten.
«Und du Edi, was machst du so?»
«Ich? Ich bin Diktator.»
«Mensch super. Und wo, so?»
«Schweiz. Kanton Zug.»
«Zug? Herrlich! Die Berge, der See! Und wie kommst du mit
den Menschen zurecht? Ich meine, die Schweizer sind doch verklemmt,
total verklemmt.»
«Da gibt es eigentlich keine Probleme. Jedenfalls mit den
Meisten.»
«Und was ist mit den anderen?»
«Die
kommen in den See.»
Und hier eine Wein-Lese-Probe aus Der Dichter
und die Flasche:
Mein Freund und Dichtkollege «R.» aus Z. meint: Ich
trinke keinen Sekt. Sekt, das klingt nach Ecken und Kanten. Wo bleiben
da die weichen Perlen? Nein, ich trinke Prosecco
Italiano. Da hüpft gleich Gina Lollobrigida aus der Flasche,
eng umschlungen mit Marcello Mastroianni. Prosecco, das ist Erotik
pur. Und wenn ich zufällig keinen Prosecco im Kühlschrank
habe, dann trinke ich le Champagne!
Der Korken knallt, ich halte die Bouteille «Voeuve Clicot
La Grande Dame», zehn Jahre alt, mit der rechten Hand
und gieße sanft den perlenden extra brut in die flûte
hinein und mit dem ersten Schluck schon defiliert vor meinen Augen
das gesamte Prêt à Porter.
Und ich trinke keinen Landwein, womöglich
noch aus der Pfalz. Ein Wein der aus der Pfalz kommt, hat den Korken
schon im Rebstock. Nein, ich trinke le «Rouge de Bourgogne».
Das weckt das Tier in mir. Das Glas zerbirst und mit weiten Sätzen
jagt der Werwolf durch die einsame Nacht.
Ich trinke auch keinen Weißwein
von der Mosel. Mosel klingt nach Verstopfung, nach
noch zu verdauendem Hirschragout. Nein, ich trinke nur: le
petit blanc Suisse … Suisse … Suisse.
Da hallen die Berge und aus weiter Ferne winkt uns Heidi zu.
Und ich trinke keinen Weißherbst
aus Baden-Württemberg, nein, ich trinke Fetzer
from California, my darling, from the Somoa Valley, for God's
sake. Weil Kalifornien, das ist «sunshine, freedom,
happiness».
Und das jeden Tag. Kaum ist die Flasche dekantiert, fährt
John Steinbeck auf einem offenen Güterzug an mir vorbei.
Und in einem morschen Weinfass döst, in sich eingerollt,
Jack London vor sich hin. Neben ihm ein grauer Wolf, der ihm
die wunden Füße
leckt.
Und ich trinke kein Tannenzäpfle
oder Ureich! Das klingt nach abgestandenem Wasser,
nach Holzwürmern. Nein, ich trinke nur
Corona desde Mexico! Mit Limone und etwas Salz!
Das hat Pfeffer! Weil el Mexicano es versteht zu leben!
E viva Zapata!
Und ich trinke keinen deutschen Sprudel
aus der schon tausendmal benutzten weißen Flasche. Wer
weiß,
wer die schon alles in den Fingern hatte. Nein, ich trinke
nur das echte, pure, edle eau minérale,
l' eau Rosée de la reine du Tarn, oder aber, das
einzig wahre gebenedeite aqua minerale
della Madonna
aus dem blauen Flakon. Denn, und hiermit ende ich: das Auge
trinkt ja mit! |